Der einstige Pionier entwickelte seine Vision einer dreidimensional abgebildeten Stadt zur Plattform für 3D-Geodaten und Digitale Zwillinge.

Die Geschäftsführer von VCS von l.n.r.: Dr. Stefan Trometer, Dr. Claus Nagel, Dr. Lutz Ross. Foto: Virtual City Systems
Im Jahr 2005 begann eine Entwicklung, die heute vielerorts zum digitalen Alltag gehört: Virtual City Systems (VCS) – damals ein kleines Team mit großer Vision – setzte früh auf 3D-Stadtmodelle, semantische Datenstrukturen und offene Standards. Zwei Jahrzehnte später ist aus dieser Idee eine vielfach eingesetzte Softwareplattform für Urbane Digitale Zwillinge geworden und aus VCS einer der Vorreiter der Branche.
Schon in den ersten Jahren entstanden Anwendungen wie der Wirtschaftsatlas Berlin (Business Location Center) oder die Gebäuderekonstruktion (BRec), die damals echte Pionierarbeit darstellten. Bald darauf fiel die Entscheidung, eine eigene Software zu entwickeln. So entstand die VC Suite, ein modulares, offenes und fachlich fundiertes System als Rückgrat für Urbane Digitale Zwillinge.
Heute ist die Softwareplattform bei Kommunen, Landesbehörden und Forschungseinrichtungen für Verwaltung, Planung und Analyse urbaner Räume auf breiter Ebene im Einsatz. Bestandteile der Plattform sind beispielsweise der VC Publisher zur Geodatenaufbereitung, die VC Map für die Webvisualisierung, der VC Planner für die interaktive und übergreifende Planung mit verschiedenen Beteiligten. Dazu gibt es spezialisierte Module wie VC Solar oder die VC Map als Software as a Service.

Beispiel für 3D-Visualisierung von vollvektoriellen Bebauungsplänen im XPlanGML Format. Foto: Virtual City Systems
Die VC Suite nutzen Städte aller Größenordnungen. Dazu gehören Wiesbaden, Helsinki oder Rosenheim. Die Projekte sind sehr unterschiedlich, ebenso wie der Kontext der Nutzung. Die VC Suite wird etwa zur Klimaanalyse, zur Planung innerstädtischer Entwicklungsgebiete oder zur Risikoabschätzung im Katastrophenschutz eingesetzt.
Partner statt Alleingang
Neben der Technologie-Kompetenz ist VCS bei den Projekten immer auch als Mediator, Vermittler und Gesprächspartner gefragt. „Entscheidend ist, dass wir Verwaltungsprozesse verstehen, interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglichen und alle Projektbeteiligten aktiv einbeziehen“, sagt Dr. Lutz Ross. Als Geschäftsführer CEO bei Virtual City Systems begleitet er die strategische Entwicklung des Unternehmens und verantwortet die teamübergreifende Zusammenarbeit.

Der Hauptsitz von Virtual City Systems in Berlin, dargestellt und gehighlightet in der VC Map. Foto: Virtual City Systems
„Heute setzen über 200 Kunden in Europa und weltweit auf unsere Lösungen. Der Rückblick auf 20 Jahre ist daher auch ein Versprechen: Die Digitalisierung von Städten, ländlichen Räumen, Infrastrukturen und Verwaltungen geht weiter. Und wir werden sie gemeinsam mit unseren Partnern weiter mitgestalten – offen, pragmatisch, mit Weitblick und mit unserem Customer Service, der für uns einfach dazugehört“, so Ross.
Auch Industriekunden, wie beispielsweise Netzbetreiber, setzen auf 3D-basierte Zwillinge, um Infrastruktur transparenter zu machen. Gemeinsam mit der GISA GmbH entstand beispielsweise bei MITNETZ STROM der digitale Zwilling eines Umspannwerks, das virtuelle Begehungen erlaubt, Wartung und Planung erleichtert und Betriebsdaten mit Geometrien verknüpft. „Unser offener Systemansatz ermöglicht die nahtlose Integration in die bestehende IT-Umgebung“, sagt Dr. Claus Nagel, Geschäftsführer CTO bei Virtual City Systems und seit der ersten Stunde Mitentwickler der 3DCityDB.
VC Suite Release 2025.1: Neue Funktionen für Integration und Mehrwert
Mit jeder Version erweitert VCS den digitalen Werkzeugkasten. Das aktuelle Release, das seit Ende August 2025 verfügbar ist, enthält unter anderem den neuen Panorama Viewer zur 360°-Erkundung von Standorten, ein Dynamic Layer Plugin für die Einbindung externer Geodatendienste, eine Nebenkarte für den Vergleich von Gebieten und Szenarien in Echtzeit, eine Videofunktion zum Export von Kameraflügen und Planungsszenarien sowie die VC Story für geführte Kartenanwendungen direkt in der VC Map. „Das Herzstück unserer VC Suite, die VC Database, unterstützt im aktuellen Release CityGML 3.0 und CityJSON 2.0 – vollständig abwärtskompatibel und zukunftssicher“, so CTO Dr. Claus Nagel.
Innovative Entwicklungen aus der Praxis
Immer wieder entstehen neue Softwarelösungen, die Städte bei konkreten Anforderungen unterstützen. Eine davon ist VC Blastprotect, eine Software zur Simulation von Druckwellen und Splitterflug bei Detonationen von Blindgängern. Sie wurde in einem Forschungsprojekt in Kooperation mit dem Kampfmittelräumdienst NRW und dem Fraunhofer-Institut für Kurzzeitdynamik, Ernst-Mach-Institut (EMI) entwickelt und erlaubt es, gezielte Schutzmaßnahmen für Behörden und Sicherheitskräfte zu planen und zu analysieren.
„Mit dem neuen Release erscheint auch VC Blastprotect in modernem Design und verbesserter Bedienung, und ermöglicht realitätsnahe Simulationen für die Evakuierungsplanung“, so Dr. Stefan Trometer, Geschäftsführer Business Development bei Virtual City Systems und Experte für Simulationsprojekte.
Im Rahmen eines Forschungsprojekts mit der größten zivilen Sprengkampagne seit Kriegsende wird die Software um Modelle für den Bodenschock, die Auswirkungen der Detonation im Untergrund und Dämpfungsmaßnahmen erweitert. Mit solchen Tools kann etwa abgeschätzt werden, wie groß das Risiko für sensible Liegenschaften wie etwa Krankenhäuser ist oder in welchem Umkreis evakuiert werden muss. Ein weiteres Entwicklungsgebiet ist das Umfeld städtischer Planungen, vor allem Bauleit- und Flächennutzungsplanung.
VCS arbeitet hier an einer automatisierten Planvisualisierung. Mit dem XPlan3D Plugin entstehen aktuell neue Funktionen zur 3D-Visualisierung von Bebauungsplänen im XPlanGML-Format. Und auch die Weiterentwicklung des VC Publisher läuft intensiv, um das Backend der Plattform stetig modern zu halten und an neue Kundenbedarfe anzupassen.

VC Blastprotect kann den Splitterflug einer Bombe simulieren. Es unterstützt die Maßnahmenplanung bei Entschärfungen von Blindgängern aus dem 2. Weltkrieg, vor allem für Evakuierungen. Foto: Virtual City Systems

