Das Unternehmen d.b.g. Datenbankgesellschaft ist Generalist beim Aufbau eines Grün- und Freirauminformationssystems und verfolgt auch beim Baummanagement einen ganzheitlichen Ansatz.
Stadtbäume leben einerseits unter sehr schwierigen Umweltbedingungen, andererseits gelten sie auch als Hoffnungsträger. Sie erhalten starke mediale und gesellschaftliche Aufmerksamkeit – trotz der Abkühlung ökologischer Grundthemen im politischen Raum. Ihre Bedeutung für die Temperaturregulierung, als Feuchtigkeits- und Schattenspender sowie ihr ästhetischer und städtebaulicher Wert können kaum unterschätzt werden. In der Vergangenheit wurden Bäume vor allem unter dem Gesichtspunkt der Verkehrssicherungspflicht betrachtet. Das Klima konnte diesen „einseitigen“ Blick sogar verstärken. Denn Stadtbäume leiden besonders unter Dürre und Schadstoffen, die Wahrscheinlichkeit für Krankheiten steigt und in der Folge auch die für Gefahren für Fahrzeuge und Passanten durch umstürzende Bäume oder herabfallende Äste. Neben der Verkehrssicherung sind Stadtbäume in den letzten Jahren noch stärker ins öffentliche Interesse geraten. Problemfälle wie etwa der Eichenprozessionsspinner traten häufiger auf und haben die öffentliche Aufmerksamkeit noch verschärft. Die niederschlagsarmen Jahre, insbesondere zwischen 2017 und 2020, haben zudem das Mitgefühl gegenüber den leidenden Bäumen wachsen lassen. Kurzum: Der Stadtbaum ist interessanter denn je.
Digitalisierung der Baumverwaltung
Kein Wunder, dass auch die Digitalisierung rund um Baumpflege und -kontrolle einen Schub erhielt. Als Baumkataster spielt die geografische Dokumentation des Baumbestandes in der Stadt eine herausragende Rolle. Im Bereich der Grünflächenbewirtschaftung gibt es eine Reihe von Werkzeugen, die auf die Planung und das Management der entsprechenden Tätigkeiten sowie auf die Ausstattung der oft externen Baumpfleger ausgerichtet sind. In den letzten Jahren hat die luftgestützte Photogrammetrie mit hochauflösenden Bildern und UAVs neue Impulse geschaffen. Ebenso haben viele Städte Baumkataster veröffentlicht, die den Bürgern interessante Formen des Infotainments bieten.

Prozesse rund um das aktive Baummanagement beim d.b.g.-Baumkataster auf Basis des d.b.g. itreo-Webservices. Quelle: d.b.g.
Bäume in allen Lebenslagen
Ein Anbieter mit einem besonders breiten Ansatz ist die d.b.g. Datenbankgesellschaft mbH. Diese gilt als Generalist beim Aufbau von Grün- und Freirauminformationssystemen. „Mit unserer Software verfolgen wir seit Jahren den Ansatz, Grünflächen und auch Bäume aus einer umfassenden Perspektive und auch einer wirtschaftlich nachhaltigen Bewirtschaftung zu betrachten“, sagt Jana Schultze, Geschäftsführerin des Unternehmens, denn ein Baum erfordert in Siedlungsgebieten über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg einen hohen und vielschichtigen Bewirtschaftungsaufwand. Er wird bestellt, transportiert, gepflanzt, gepflegt, gegossen und irgendwann auch einmal gefällt und einer weiteren Verwendung zugeführt.
Ganzheitlicher Ansatz
Ein Baum wird also auch als finanzielles und im kommunalen Sinne auch als doppisches Thema behandelt. Jörg Schmidt, ebenfalls Geschäftsführer der d.b.g., sagt: „Eine solche Perspektive ist in der deutschen Verwaltung noch immer nicht überall verankert beziehungsweise wird nicht wahrgenommen.“ Dabei ist eine rationalistische Analyse, die den Aufwand der Baumbewirtschaftung sehr genau benennt und objektiviert, ein wirksamer und allgemeingültiger Ansatz – insbesondere, wenn der politische Druck zur Begrünung einer Stadt größer ist als die finanziellen Mittel es zulassen.
„Unsere Software deckt alle Themen rund um den Baum ab, und das über den gesamten Lebenszyklus von der Bepflanzung bis zur Fällung“, beschreibt Schmidt. Die d.b.g. bezeichnet ihren Ansatz auch als aktives Baummanagement, bei dem der gesamte Prozess erfasst wird und bei dem auch die kartenbasierte Visualisierung eine Schlüsselkomponente darstellt. Alle Bereiche sind erfasst: Pflanzung/Bestandsentwicklung, Verkehrssicherheit/Baumkontrollen, Bewässerung, Naturschutz, Steuerung der Baumpflege, Ausschreibung/Vergabe, Leistungsabnahme, Kostenkontrolle bis hin zu Berichtswesen und medialer Transparenz. „Unser Ziel ist es, die effiziente Organisation sämtlicher Abläufe rund um das Thema Baum – von der Datenerfassung und -haltung über Recherche und Reports zu unterstützen“, so Schmidt.
Die Baumkontrollen und Pflegemaßnahmen werden FLL-regelkonform erfasst und gerichtsfest gespeichert. Fotos und Dokumente wie Gutachten und andere Unterlagen werden baumbezogen gespeichert.
Zudem gibt es ein umfangreiches Berichtswesen zur Auswertung und Darstellung der Daten: von Arbeitsaufträgen über die durchgeführte Baumpflege bis hin zu Fällanträgen. Kurzgutachten und Statistiken sind ebenfalls möglich.
Mit der d.b.g. GIS-Toolbar gibt es auch ein Konzept zur Integration in ein grafisches Informationssystem. Vorrangig wird QGIS benutzt. „Es ermöglicht einen bidirektionalen Datenaustausch mit dem Baumkataster und aus den Baumdaten können thematisch unterschiedliche Karten generiert werden“, sagt Schmidt. Die Darstellung ist thematisch flexibel. Sie beginnt mit offenen Pflegemaßnahmen und umfasst Vitalität, Entwicklungsphase, die nächste Kontrolle und sogar die Ermittlung des Überschirmungsgrads der Baumkrone in QGIS.
Das d.b.g.-Dashboard dient dem schnellen Überblick über Daten und Kennzahlen in Form von Diagrammen, Tabellen und Indikatoren. Wie immer ist eine individuelle Konfiguration durch den Anwender sowie die Integration von Wetterdaten der meteorologischen Stationen im Umkreis möglich.

Beispiel für die webbasierte Bereitstellung von Aufträgen für die Baumpflege und -kontrolle via
vitreo-Webservice.
Quelle: d.b.g. Datenbankgesellschaft
Mobilität
Eine Schlüsselstellung nimmt dabei der d.b.g. itreo-Webservice ein. Dies ist die zentrale Webservice-Plattform von d.b.g., über die alle an den Prozessen Beteiligten eingebunden sind – egal, ob sie intern oder extern sind. Grundlage ist das d.b.g. Baumkataster als Datenbank für alle Baumdaten.
Auch Pflegekolonnen und andere mobile Mitarbeitende können mobil darauf zugreifen. Schon in der Planung können sie dann zum Beispiel erkennen, wie die direkte Umgebung eines Baums ist und welche Hilfsmittel man dort einsetzen kann. Die d.b.g.-Software ist offlinefähig, das heißt die mobilen Teams können auch bei vorübergehendem Verlust der Mobilfunkverbindung Daten nutzen und editieren, ohne dass der Arbeitsprozess gestört wird.
Ausblick
Auch zukünftige Entwicklungen folgen dem ganzheitlichen d.b.g.-Ansatz. Eine wesentliche Rolle spielt dabei KI. Konkret kann das KI-Projekt „BlueGreenCity-KI“ zur Schaffung eines Bewässerungsmanagement- und -steuerungssystems genannt werden, ebenso wie eine KI-unterstützte Tourenplanung zur Ausführung der Pflegemaßnahmen oder eine KI-unterstützte Baumkontrolle.

