Im September erreichte das Meereis der Arktis seine jährliche Mindestausdehnung. Seit 1978 nehmen Satelliten der NASA die Veränderungen der Fläche und der Dicke dieser Eisschichtkontinuierlich auf, wodurch Aussagen über langfristige Entwicklung möglich sind. Die NASA weist damit nach, dass in den letzten Jahren sowohl die maximale als auch die minimale Ausdehnung stark zurückgegangen sind. Arktisches Meereis ist eine bis zu drei Meter dicke Eisschicht, die den Arktischen Ozean und damit die Region rund um den Nordpol bedeckt. Dieses Meereis wächst während des Polarwinters an, erreicht seinen Höchststand in der Regel im März und schmilzt dann im Laufe des Sommers bis auf sein jährliches Tief im September ab. Am 12. September 2026 erreichte das Meereis seine jährliche Mindestausdehnung, laut NASA und dem National Snow and Ice Data Center (NSIDC) waren schätzungsweise 4,6 Millionen Quadratkilometer bedeckte. Damit liegt das Herbst-Minimum gemeinsam mit den Jahren 2008, 2010 und 2025 auf dem 10. Platz der niedrigsten, gemessenen Mindestausdehnungen. Dennoch gibt es einen langfristigen Abwärtstrend, der sich seit den 2000er Jahren verstärkt und eine Reihe von Rekord- und Beinahe-Rekordtiefständen ausgelöst hat. Jeder der letzten 20 Sommer, von 2007 bis 2026, gehört zu jenen mit der geringsten minimalen Ausdehnung. Der niedrigste Wert wurde im September 2012 verzeichnet.

Die folgenden Karten stellen jeden September seit 1990 (links) – rund um das jährliche Minimum des Meereises – dem darauf folgenden März (rechts) – nahe dem jährlichen Maximum – bis einschließlich März 2026 gegenüber.
Quelle: NASA Earth Observatory images by Michala Garrison, using data from the National Snow and Ice Data Center
September-Ausdehnung stabil in den letzten Jahren
In den letzten Jahren ist die Meereisausdehnung im September relativ stabil geblieben. Dies ist bedingt durch das Wetter, also die abseits von Klimatendenzen vorherrschenden jahreszeitlichen Bedingungen hinsichtlich Temperatur, Wind und Sonnenscheindauer. So hat laut NASA-Wissenschaftlern beispielsweise in den letzten zehn Jahren eine erhöhte Wolkendecke verhindert, dass Sonnenlicht das Schmelzen beschleunigt.
Meereis wird dünner und jünger
In der gesamten Arktis ist das verbleibende Eis zudem jünger und dünner geworden. Beobachtungen zeigen einen Rückgang des Mehrjahres-Eises – also des Eises, das mindestens eine Schmelzsaison übersteht –, wodurch die Arktis zunehmend von dünnerem Einjahres-Eis dominiert wird. Auch das Wintereis schrumpft. Das Maximum im März 2026 lag statistisch gesehen gleichauf mit dem Maximum von 2025 und war damit das niedrigste in den Satellitenaufzeichnungen.
Schifffahrt in der Arktis
Für die Durchquerung der Arktis per Schiff gibt es ein hohes geopolitische Interesse. Es geht dabei um Handelsrouten zwischen dem Pazifik und Europa, die weit kürzer und schneller sind als die heute üblichen Wege über den indischen Ozean. Im Interesse stehen nicht nur die Durchfahrt der Nordwestpassage an Kanadas Küste und der Nordostpassage im Osten im Hoheitsgebiet Russlands, sondern auch die direkte Durchfahrt des arktischen Ozeans. Wissenschaftler gehen davon aus, dass bis 2050 mindestens einmal zu einer nahezu eisfreien Arktis kommen könnte, was die kürzeste Route durch die Mitte des arktischen Ozeans ermöglichen würde. Es gibt bereits Angebote für Luxuskreuzfahrtschiffe, die im Spätsommer bis in die Nähe des geografischen Nordpols heranfahren.
Es ist bekannt, dass Zyklen natürlicher Schwankungen wie die Arktische Oszillation eine Rolle bei der Ausdehnung des arktischen Meereises spielen, doch der über die gesamte Satellitenaufzeichnungsdauer beobachtete Rückgang lässt sich nicht allein durch natürliche Schwankungen erklären. Natürliche Schwankungen und steigende globale Temperaturen haben gemeinsam dazu geführt, dass größere Mengen des arktischen Meereises geschmolzen sind. Wissenschaftler gehen davon aus, dass es mindestens einmal vor der Mitte des 21. Jahrhunderts zu einer nahezu eisfreien Arktis kommen könnte.
Aufnahmen von Mikrowellenenergie
Um die Ausdehnung des Meereises zu bestimmen, stützen sich Wissenschaftler auf Satelliten mit passiven Mikrowellensensoren, die die von der Erde auf natürliche Weise abgegebene Mikrowellenenergie messen. Meereis strahlt mehr dieser Energie ab als offenes Wasser und hebt sich daher auf Mikrowellenbildern deutlich ab. Da Mikrowellen Wolken durchdringen, können die Satelliten das Meereis regelmäßig beobachten, unabhängig von den Wetterbedingungen.
Die Aufzeichnungen begannen 1978 mit Daten, die vom NASA-Satelliten Nimbus-7 gesammelt wurden, gefolgt von Satelliten des Defense Meteorological Satellite Program (DMSP) ab 1987 und dem NASA-Satelliten Aqua zwischen 2002 und 2011. Ab 2025 nutzten Wissenschaftler Beobachtungen des GCOM-W-Satelliten der japanischen Weltraumagentur JAXA. Der weiße Kreis in der Mitte jedes Bildes ist das „Pol-Loch“, nördlich dessen Satellitensensoren bisher keine Daten erfassen konnten. Die Schätzungen zum Meereis gehen davon aus, dass dieses Loch mit Eis gefüllt ist.
Meereisausdehnung seit 1990 im Zeitraffer: Die Karten zeigen die Meereisausdehnung im September (Jahresminimum) auf der linken und im März zum Jahresmaximum auf der rechten Seite.



































