Die Erfahrungen aus Projekten auf Basis des Fichtner Digital Grid zeigen die zunehmende Verknüpfung spezifischer energiewirtschaftlicher, technischer Herausforderungen mit Digitalisierungsansätzen und Managementberatungsexpertise.

Die Beurteilung des Netzanschlussess von EEG-Anlagen oder BESS ist ein wichtiger aber oft langwieriger Vorgang bei Netzbetreibern. Foto: reisezielinfo/ stock.adobe.com
Mit dem Fichtner Digital Grid hat die Fichtner-Gruppe mit über 2.200 Mitarbeitenden ein Angebot im Portfolio, das alle Prozesse für Netzdatenqualität und -visualisierung, Netzberechnung, Regulierungs- und Assetmanagement abdeckt. Die Fichtner-Gruppe, die seit über 100 Jahren vorwiegend in den Bereichen Energie und Infrastruktur aktiv ist, bildet zudem die Bereiche Strategie, Management- sowie Transaktions- und Ökonomieberatung ab. So baut Fichtner die Brücke zwischen Wirtschaft und Technik. In den Projekten verschmelzen die IT-technischen und Managementberatungsorientierten Dienstleistungen zunehmend, wie man an vielen Entwicklungen rund um das Fichtner Digital Grid Portfolio sieht. Dazu gehört beispielsweise die Lösung SNAP (Schnelle Netzanschlussprüfung) von der MITNETZ STROM.
Entwicklung von SNAP
Der Netzanschluss ist ein erfolgskritischer Prozess in der Energiewirtschaft. PV-Anlagen, Wärmepumpen, Batteriespeichersysteme, Windenergieanlagen oder Ladeinfrastrukturen sollen auf allen Spannungsebenen an das Netz angeschlossen werden. Damit die Transformation des deutschen Energiesystems zeitgemäß erfolgen kann, muss der Netzanschluss schnell geprüft, geplant und umgesetzt werden. Zudem muss er ordnungsgemäß berechnet und dimensioniert sein, damit Erzeugung, Verbrauch und Transport von Strom technisch ausbalanciert sind.
Die MITNETZ STROM hat gemeinsam mit FIT auf Basis von Fichtner Digital Grid SNAP entwickelt.“ Damit hat der Versorger den Auskunftsprozess für Netzanschlüsse drastisch verkürzt. Über eine intuitive Webauskunft erfahren potenzielle Einspeiser, wo etwa Solar- bzw. Windanlagen angeschlossen werden können, wie Anschlussoptionen geroutet werden können, was ein Netzanschluss kostet oder welche Grundstückseigentümer von der neuen Netzleitung betroffen sind. Inzwischen zählt allein die MITNETZ STROM 5.000 Nutzer. Auch der Mutterkonzern von MITNETZ STROM ist auf den Geschmack gekommen. SNAP wird dort bereits intensiv auf verschiedenen Spannungsebenen eingesetzt.
Integration und Prozessoptimierung

Mögliches Routing für einen Netzanschluss in SNAP. Foto: Fichtner
„Die Analyse der Projekte aus dem Fichtner Digital Grid Lösungsportfolio zeigt deutlich, dass im Bereich des Netzanschlussmanagements ein hoher Bedarf an digitalisierten, benutzerfreundlichen Lösungen besteht“, sagt Jan Schulte von Fichtner Management Consulting. Er sieht in der Digitalisierung den Schlüssel für eine erfolgreiche Energiewende: „Sie ist ein zentraler Hebel zur Entlastung von Netzbetreibern im Spannungsfeld zwischen Personalmangel, Anschlussdruck und regulatorischen Anforderungen.“ Messbare Effizienzgewinne seien laut Schulte erreichbar, wenn eine modulare Architektur, hohe Automatisierung und eine leistungsstarke Integration bestehender Systeme gegeben sind. Fichtner hat bereits einige Versorger bei der Erstellung von Auskunftsplattformen auf der Basis von Fichtner Digital Grid unterstützt, beispielsweise die VSE AG/energis Netzgesellschaft mbH, die Stadtwerke Wolfenbüttel, die Netze BW oder die Stadtwerke Winterthur und die Stadtwerke Augsburg.
Ein Beispiel, wohin die Reise führen kann, ist die Energienetze Mittelrhein (ENM), die ebenfalls das Fichtner Digital Grid nutzt. Der Versorger realisiert vor allem automatisierte Prozesse rund um die zunehmende Anzahl an Anschlussbegehren von Wärmepumpen und E-Mobilität. Ähnlich wie bei der MITNETZ STROM-Anwendung SNAP ermöglicht das Fichtner Digital Grid Modul Easy Connect, Anschlussbegehren auf der Niederspannungsebene technisch zu prüfen und zu bewerten. Da die ENM zu den Fichtner-Kunden gehört, die ihre Prozesse rund um das Anschlusswesen und die Netzberechnung systemübergreifend vernetzt haben, gibt es dort beispielsweise auch eine ausgefeilte Integration in das bestehende CRM. Dadurch wurde der Netzanschluss nochmals vereinfacht. Die relevanten Netzanschlussdaten des jeweiligen Hausanschlusses werden bei einer Netzanschlussanfrage automatisch in den automatisierten Prozess übernommen. Weitere Daten werden bedarfsgerecht im Prozess automatisiert verbunden. „Grundlage dafür ist, dass IT, Prozessmanagement und Organisationsberatung bei Fichtner zunehmend Hand in Hand gehen“, so Schulte.

