Das norwegische Softwareunternehmen Mitigrate hat im Rahmen des ESA-Programms „Business Applications and Space Solutions“ (BASS) einen Dienst entwickelt, der nicht nur das Hochwasserrisiko für einzelne Gebäude bewertet. Die Besonderheit liegt dabei darin, dass nicht nur Risiken analysiert werden, der Dienst nutzt die Satellitendaten auch, um Maßnahmen für den Hochwasserschutz vorzuschlagen und zu bewerten. Dabei werden sowohl architektonische als auch Leistungen aus dem Bereich der Abwasserentsorgung bewertet. Die einzelnen Bereiche werden als Sustainable drainage systems (SuDS) und Property Flood Resilience (PFR) bezeichnet.
Mitigate verfolgt demnach den ganzheitlichen Ansatz, Kommunen resilienter für den Hochwasser- und Starkregenschutz zu machen. In erster Linie richtet sich der Dienst aber an den allgemeinen Versicherungsmarkt, also konkret Versicherungen, Schadenbearbeiter, Risikomanagementteams oder Rückversicherungen. Das Unternehmen hat dafür mit 20 verschiedenen Versicherungsunternehmen zusammengearbeitet, um deren spezifische Bedürfnisse und Anforderungen zu verstehen. Der Mitigrate-Dienst nutzt dafür Satellitenbilder und digitale Zwillinge, um die möglichen Maßnahmen für eine einzelne Immobilie zu bewerten. Grundlage dafür sind Gebäude- und Standortdaten sowie eine berechnete Menge an Oberflächenwasser, die ein Gebäude während eines Hochwassers bewältigen muss. Die Geo- und Satellitendaten werden mit Hilfe von maschinellem Lernen ausgewertet.
Dabei werden nachhaltige Entwässerungssysteme und Maßnahmen zur Verbesserung der Hochwasserresilienz von Immobilien empfohlen, darunter Gartenteiche zur Speicherung von Regenwasser, begrünte Dächer, Bio-Retentionsflächen, Regengärten, wasserdurchlässige Pflasterungen oder sogenannte nasse Vorsorgemaßnahmen, bei denen in Gebäude eintretendes Wasser gezielt gesteuert wird.

Der Mitigrate-Dienst bewertet einzelne Maßnahmen für den Hochwasserschutz von Gebäuden. Dazu zählen die Anlage von Versickerungsflächen sowie einfache Maßnahmen wie den Gebrauch von Sandsäcken.
Fotos: ESA
Gebäudescharfe Berechnungen
Mit der Lösung können Gebäude auf Adressebene analysiert und das Risikoniveau einzeln bestimmt werden. Die entwickelten Empfehlungen für Maßnahmen der Risikominimierung werden an die individuellen Bedürfnisse jeder Immobilie angepasst. Besichtigungen vor Ort sollen so überflüssig werden. „Der Zugang zu Weltraumtechnologie und die Unterstützung durch das BASS-Programm haben maßgeblich zur Beschleunigung unserer Produktinnovation beigetragen“, sagte Laurent Feuilleaubois, CEO von Mitigrate. „Durch die Integration von Satellitendaten und fortschrittlichen Analysen haben wir einen skalierbaren Dienst geschaffen, der es Versicherern nicht nur ermöglicht, Hochwasserrisiken effektiver zu managen, sondern auch neue Märkte und Kundensegmente erschließt. Die Unterstützung der ESA gab uns das Vertrauen – und die Werkzeuge –, schneller voranzukommen, intelligenter zu arbeiten und der Versicherungsbranche einen echten Mehrwert zu bieten.“
„Mitigrate bietet einen einzigartigen Service, der sowohl Versicherer als auch Versicherungsnehmer unterstützt, indem er dazu beiträgt, das Risiko von Überschwemmungsschäden zu verringern und die Versicherbarkeit von Immobilien zu verbessern“, sagte Christopher Frost-Tesfaye, Projektmanager bei ESA. „Wir sind stolz darauf, Mitigrate und ihre innovative Antwort auf die Herausforderungen des Hochwasserrisikos zu unterstützen.“
Dienst bereits in Norwegen im Einsatz
Im Rahmen des ESA-Projektes wendete Mitigrate seinen Service für die zehn größten Städte Norwegens. In diesem Zuge wurde ein dreijähriger Vertrag mit dem norwegischen Versicherer Gjensidige geschlossen. Nach Angaben der ESA gibt es derzeit Gespräche mit anderen Unternehmen in den nordischen Ländern, Großbritannien und Deutschland. Der Mitigrate-Dienst deckt aktuell bereits 35 Millionen Gebäude in Norwegen und Großbritannien ab und soll europaweit erweitert werden.

