Schattige Wege in der Stadt sind in Hitzephasen wie der aktuellen von besonderem Interesse. Das HeiGIT (Heidelberg Institute for Geoinformation Technology) hat dafür eine Routing-Anwendung für Fußgänger:innen entwickelt. Sie berechnet Strecken und schlägt eine möglichst schattige Wegführungen vor – samt Weglänge und Gehzeit. Grundlage der Berechnungen sind hochaufgelöste Schattendaten. Die Anwendung steht ab sofort für 80 deutsche Städte mit mehr als 100.000 Einwohner:innen bereit. HeiGIT sucht zudem gezielt den Austausch mit Städten und Kommunen, die ihre Daten ergänzen oder die Plattform gemeinsam weiterentwickeln möchten.

Beispiel für eine schattige Wegführung in Heidelberg. Quelle: www.openrouteservice.org
Viele Städte arbeiten bereits an Anpassungsstrategien für den Klimawandel, doch Hitze beeinflusst die Mobilität auf eine Weise, die Planenden oft verborgen bleibt: Welche Wege werden gemieden, weil sie durchgehend der Sonne ausgesetzt sind? Hitzemeidendes Routing macht das sichtbar und gibt Stadtverwaltungen ein Instrument an die Hand, um zu erkennen, wo Hitzestress am stärksten ist und ob alternative Wege überhaupt zur Verfügung stehen.
„Was als Forschungsfrage in Heidelberg begann, ist heute eine einsatzfähige, deutschlandweite Anwendung für hitzemeidendes Routing. Wir freuen uns darauf, sie gemeinsam mit Städten weiterzuentwickeln und eine klimaangepasste Mobilität aufzubauen, die auf den Daten und Bedürfnissen der jeweiligen Stadt basiert“, sagt Julian Psotta, Projektmanager für technische Innovationen am HeiGIT.
HeiGIT möchte diese Arbeit durch eine direkte Zusammenarbeit mit Städten und Kommunen vertiefen und die Anwendung zu einer Lösung ausbauen, die den individuellen Anforderungen noch gerechter wird. Städte, die bereits über Sensor- oder Temperaturdaten verfügen, können diese in die Plattform integrieren lassen. So entsteht ein Routing, das nicht nur Schattenverhältnisse, sondern auch die lokale Klimastruktur abbildet. Städte ohne eigene Daten können einen gleichwertigen Beitrag leisten, indem sie definieren, was sie benötigen, und so die Weiterentwicklung der Anwendung mitbestimmen. Es gibt keinen festgelegten Einstiegspunkt und die Zusammenarbeit beginnt dort, wo eine Stadt geradesteht.
Das hitzemeidende Routing hat seinen Ursprung in Heidelberg. Dort erarbeitete das Forschungsprojekt HEAL die Grundlage und die erste Version der Anwendung, in enger Zusammenarbeit mit der Heidelberger Stadtverwaltung und unter aktiver Einbeziehung vulnerabler Bevölkerungsgruppen. Die erste Version nutzte Sensordaten für lokale Klimainformationen. Später wurde auf ein besser skalierbares Schattenmodellierungsverfahren umgestellt. Dieses wurde anschließend auf die Partnerstädte Worms, Walldorf und Neckargemünd ausgeweitet und bewies damit seine Übertragbarkeit auf unterschiedliche städtische Kontexte und Datenverfügbarkeiten. Die aktuelle Version skaliert diesen Ansatz auf 80 deutsche Großstädte in allen 16 Bundesländern.

Schatten oder Sonne: Die Wahl des Weges ist oft abhängig vom aktuellen Wetter. Quelle: ultramansk / stock.adobe.com
