Das auf Basis der Simulationssoftware scenarify entwickelte digitale Hochwassermodell des deutschen Bundeslandes Rheinland-Pfalz steht ab sofort für die Nutzung von Kommunen zur Verfügung und tritt damit in eine neue Phase ein.
Der HydroZwilling Rheinland-Pfalz ermöglicht Land und Kommunen, Hochwasser- und Starkregenszenarien schnell zu berechnen und Maßnahmen zur Vorsorge und Planung fundiert zu bewerten. Mit dem HydroZwilling Rheinland-Pfalz entsteht ein digitales, landesweites Modell, das Hochwasser- und Starkregenszenarien simuliert und dreidimensional visualisiert. Ziel ist es, komplexe hydrologische Zusammenhänge so darzustellen, dass sie für Planung, Vorsorge und Risikokommunikation verständlich und praktisch nutzbar sind. Ein zentrales Prinzip des Systems ist die Arbeit mit Szenarien, mit denen sich unterschiedliche Ausgangslagen oder geplante Maßnahmen vergleichen und ihre Auswirkungen auf das Hochwasser- und Starkregengeschehen abschätzen lassen.
Seit 2021 entwickelt das VRVis im Rahmen eines gemeinsamen Forschungs- und Entwicklungsprojekts mit dem Land Rheinland-Pfalz auf Basis der Simulationssoftware scenarify die technische Grundlage für den HydroZwilling Rheinland-Pfalz. In enger Zusammenarbeit entstand ein landesweites Modellsystem, das seit 2023 als zentrale Arbeits- und Analysegrundlage zur Verfügung steht und gezielt auf die Anforderungen unterschiedlicher Nutzergruppen ausgerichtet ist.
Ab Dezember 2025 wird der HydroZwilling nun schrittweise auch den Kommunen zur Verfügung gestellt, um konkrete Fragestellungen innerhalb ihres Zuständigkeitsbereichs zu bearbeiten. Neben der Auswertung von Simulationen können auch lokale Daten eingebracht werden – etwa zu Bauwerken, Geländeverhältnissen oder neuen Gebäuden. Diese Informationen fließen in das vom Landesamt für Umwelt betriebene Basismodell zurück und tragen dazu bei, dessen Qualität und Genauigkeit kontinuierlich zu verbessern. So wird der HydroZwilling laufend weiterentwickelt.
Der HydroZwilling ist bewusst nicht als statisches Modell angelegt. Durch die Nutzung in den Kommunen und die Rückführung lokaler Informationen entwickelt sich das System stetig weiter. Je mehr Akteurinnen und Akteure damit arbeiten und Daten beisteuern, desto größer wird sein Nutzen für alle Beteiligten – von der Wasserwirtschaftsverwaltung bis zur kommunalen Planung. Der Start der Anwendungsphase markiert damit den Übergang zu einem digitalen Werkzeug, das Hochwasservorsorge, Planung und Risikokommunikation im Austausch zwischen Land und Kommunen unterstützt.
Um den Einstieg in das System zu erleichtern, stehen den kommunalen Nutzerinnen und Nutzern unterstützende Materialien sowie ein begleitendes, monatliches Schulungsangebot zur Verfügung. Perspektivisch ist zudem vorgesehen, das System ab Anfang 2026 auch für die Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Bürgerinnen und Bürger sollen dann über eine 3D-Visualisierung nachvollziehen können, welche Wasserstände an Gebäuden im Fall von Sturzfluten auftreten können.

Überschwemmung vor einem Weinberg: Der HydroZwilling stellt komplexe hydrologische Zusammenhänge so dar, dass sie für Planung, Vorsorge und Risikokommunikation verständlich und praktisch nutzbar sind. Quelle: VRVis GmbH

