Joseph von Fraunhofer (geb.: 1787, gest.: 1826) spielte für die Vermessungstechnik in der Region nördlich der Alpen eine herausragende Rolle – vor allem aufgrund der Entwicklung des damals besten Glases (schlierenfreies Flintglas), mit dem erstmals leistungsstarke Teleskope und optischer Messinstrumente gebaut werden konnten. Noch heute gibt es in Süddeutschland, in Österreich und in der Schweiz viele Firmen, die in der Geodäsie weltweit führend sind, was auch auf die Entwicklungen von Fraunhofer zurückgeführt werden kann. 
Ein hochaufgelöster KI-Avatar von Joseph von Fraunhofer erläutert seine Entwicklungen. Dazu gehören die damals leistungsfähigsten Optiken der Welt, die vor allem bei der Beobachtung von Himmelskörpern oder der Vermessung eingesetzt wurden. Bild: Quelle: Aristidis SchnelzerZum 200. Todestag von Joseph von Fraunhofer wurde nun die Ausstellung in der historischen Fraunhofer-Glashütte in Benediktbeuern neugestaltet. Sie öffnet am 18. September 2026 wieder; zur Eröffnung wird auch der Bayerische Ministerpräsident Dr. Markus Söder erwartet. Im Mittelpunkt steht der fotorealistische und sprachfähige KI-Avatar »digitaler Joseph«, der Gäste durch Fraunhofers frühere Wirkungsstätte führt. Das Projekt wird von der Bayerischen Sparkassenstiftung, der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern und der Bayerischen Landesstiftung gefördert.
Rund 20 Jahre arbeitete Joseph von Fraunhofer in Benediktbeuern. Dort verbesserte er Verfahren zur Herstellung und Bearbeitung von Glas, entwickelte optische Instrumente und machte seine bedeutendste wissenschaftliche Entdeckung: die Absorptionslinien im Spektrum des Sonnenlichts. Seine Erkenntnisse setzte er unmittelbar ein, um besonders leistungsfähige optische Instrumente herzustellen und zu vermarkten. Die Verbindung von Forschung, praktischer Anwendung und unternehmerischem Denken prägt die Fraunhofer-Gesellschaft bis heute.
Unter dem Leitgedanken »Approximavit sidera« – »Er hat uns die Sterne nähergebracht« – verbindet die neue Ausstellung Fraunhofers Geschichte mit heutigen Technologien. Sie richtet sich vor allem an Menschen, die bisher wenig Kontakt mit Wissenschaft und Forschung hatten. Familien, Ausflugsgäste und Besucher:innen des Klosters können die Ausstellung ohne Vorkenntnisse erkunden. Wer tiefer einsteigen möchte, findet zusätzliche Informationen zu Physik, Astronomie und Optik.
Joseph von Fraunhofer als virtueller Museumsführer
Als virtueller Museumsführer beantwortet der »digitale Joseph« Fragen in mehreren Sprachen und in Echtzeit. Besucherinnen und Besucher können so direkt mit dem Namenspatron der Fraunhofer-Gesellschaft ins Gespräch kommen. Zugleich zeigt der Avatar anschaulich, wie sich digitale Figuren heute für die Kommunikation zwischen Mensch und Maschine einsetzen lassen.
Der Avatar spricht lippensynchron und passt seine Mimik an das Gesagte an. Mithilfe von Motion-Tracking erkennt er sein Gegenüber und kann Blickkontakt herstellen. Zu sehen ist er in einer dreidimensionalen Rekonstruktion historischer Räume des Klosters Benediktbeuern. Die virtuelle Umgebung ergänzt den authentischen Ort und macht Fraunhofers Geschichte auf neue Weise zugänglich.
Die vom Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP kuratierte Ausstellung verbindet dabei historische Zeugnisse aus Joseph von Fraunhofers Wirkungszeit mit aktuellen Forschungsthemen. Ausgewählte Exponate zum nachhaltigen Bauen und zur Gestaltung zukünftiger Lebensräume zeigen beispielsweise, wie Fraunhofers Innovationsgeist bis heute in der angewandten Forschung weiterwirkt.
Technologie trifft immersive Inszenierung
Der »digitale Joseph« entstand 2022 am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO und wurde seitdem technisch weiterentwickelt. Bruce B. gestaltete das Erscheinungsbild des fotorealistischen Avatars mit. Für die Sprachverarbeitung kommt Künstliche Intelligenz zum Einsatz; Gaming-Technologien erzeugen die Figur in Echtzeit. Audio-to-Face-Verfahren stimmen Mimik und Lippenbewegungen auf die gesprochene Sprache ab.
Der Avatar ist in eine detailgetreue dreidimensionale Nachbildung historischer Räume im Kloster Benediktbeuern eingebettet – am ehemaligen Wirkungsort Joseph von Fraunhofers.
Das Jahr 2026 steht im Zeichen Joseph von Fraunhofers: Am 7. Juni jährte sich sein Todestag zum 200. Mal. Die Fraunhofer-Gesellschaft würdigt ihren Namensgeber mit zahlreichen Initiativen und Veranstaltungen. Auch die UNESCO erinnert 2026 in einem Gedenkjahr an den Pionier, der Wissenschaft und Praxis miteinander verband. Die Wiedereröffnung der Fraunhofer-Glashütte am 18. September ist ein zentraler Programmpunkt. Am historischen Ort zeigt die Ausstellung, wie Fraunhofer handwerkliche Präzision, wissenschaftliche Er-kenntnis und unternehmerisches Denken zusammenführte.

