Entwurf und Planung der inzwischen auch in Deutschland beliebten Bauform ist ein Paradebeispiel für den modernen 3D-Planungsansatz in card_1.

Planung des Kreisverkehrs inklusive Beschilderung. Card_1 generiert die komplette Planung automatisch, nachdem Planer:innen nur wenige notwendige Parameter definiert haben. Quelle: IB&T
Als deutsche Verkehrswissenschaftler in den 1980er Jahren den Kreisverkehr unter die Lupe nahmen, war die Sonderbauform – in Deutschland auch etwas altmodisch als Verkehrskreisel bezeichnet – noch wenig verbreitet. Deutsche Autofahrer:innen kannten ihn meist nur aus England (Roundabout) beziehungsweise Frankreich, wo er auch als „le rond-point“ bezeichnet wird. Dort herrschte das Prinzip der Gleichheit vor, ein im Deutschen Verkehrswesen damals noch eher unbekanntes Prinzip, wo die Ampel oder das Rechts-vor-links noch ein klares regelhaftes Diktat vorgab, was jegliche Form der Selbstorganisation noch in preußischer Manier verhinderte. Im Rond Point herrschte dagegen „Égalité“, alle waren also gleichberechtigt, sofern sie nur „drin waren“. Wer rein wollte, musste sich situativ einfädeln. Sehr modern damals, und sehr französisch gleichzeitig.
Die Zeiten haben sich geändert. Genau in dem Maße, wo in Frankreich und den südlichen Ländern die anarchistischen Fahrweisen durch harte Regeln und Strafen gebändigt wurden, fand in Deutschland eine Liberalisierung statt. Man erkannte den Kreisverkehr als effektive Bauform für flüssigen Verkehr. Seitdem hat er insbesondere auf Verkehrsknotenpunkten vor Siedlungsgebieten oder auch an verkehrsreichen innerörtlichen Kreuzungen Karriere gemacht. Schließlich wurde der Kreisverkehr auch, so sagt es die aktuelle historische Forschung, in Deutschland erfunden. Der Görlitzer Brautwiesenplatz von 1899 galt als erstes Modell dieser Art, noch bevor es der berühmte Kreisel um den Pariser Arc-de-Triumph schaffte, zu einer globalen Ikone zu werden. Dazu eine fachlich interessante Trivia: Der französische Erfinder, der Stadtplaner Eugene Henard, trug seine Vorstellungen des Kreisverkehrs auf der Londoner Stadtplanungskonferenz von 1910 „The Cities of the Future“ vor. Später wurde er auch bekannt dafür, dass er beim damals noch jungen Flugverkehr davon ausging, dass daraus ein individueller Personenverkehr für alle werde. Aber das ist eine andere Geschichte.
Digitale Planung und Entwurf

Beispiel für einen ovalen Entwurf eines „Kreis“-Verkehrs, der ebenso
hochautomatisiert erfolgt. Quelle: IB&T
Die Planung, die Beschilderung und der Bau von Kreisverkehren ist jedenfalls anspruchsvoll. Die Hamburger Softwarefirma IB&T Software GmbH, bekannt für ihr Straßenplanungswerkzeug card_1, hat aktuell eine neue Version ihrer Software für die Planung von Kreisverkehren vorgestellt.
Dabei macht der Neue Straßenentwurf in der Version 10 card_1 fast alles von Grund auf anders als die bisher aus der Verkehrswegeplanung bekannten Ansätze. Die neu verfolgte Methode erstellt ein 3D-Modell der Straße aus einem Guss. Ausgehend von der Achse oder der Gradiente kann das Programm ein komplettes Modell automatisiert erstellen, wobei die mitgelieferten Regelwerke automatisch die Parameter und Geometrien des Straßenkörpers bestimmen. Anwender:innen müssen also nicht wie bisher zuerst Querprofile erstellen, die werden nämlich erst später abgeleitet. In card_1 werden seit der Version 10.1 alle baulichen Grundformen von Knotenpunkten unterstützt, die Vorgehensweise ist dabei für alle identisch, sodass als Ergebnisse jeweils 3D-Modelle der verbindenden Knotenpunkte vorliegen. Zu diesen Grundformen gehören auch die Kreisverkehre. Das integrierte Ingenieurwissen erspart dabei viel manuelle Arbeit und Planer erreichen schnell und komfortabel richtlinienkonforme Knotenpunkte.
Neuer 3D-basierter Ansatz
Die Basis der neuen Entwurfssysteme in card_1 und der im Artikel beschriebenen Lösungen bildet die smart infra-modeling technology. Richtlinienkonforme Kreisverkehre werden schon immer mit card_1 geplant, doch bisher aus der 2D-Welt heraus generiert. Die neue Generation der Software hat dies nun in ein 3D-Paradigma transformiert.
Das Unternehmen IB&T bezeichnet dies auch als „integrierten Wissensspeicher kombiniert mit intelligenter Entscheidungslogik“. Als Grundlage dient die „smart infra-modeling technology“, die mit einem fachlichen Datenmodell arbeitet. „Die Technologie bietet Anwendern damit die passende Mischung aus Automatisierung und Flexibilität für ihre Arbeit und berücksichtig den BIM-konformen Planungsansatz“, sagt Uwe Hüttner, Geschäftsführer von IB&T.
Zunächst werden die Achsen und Gradienten der beteiligten Straßen herangezogen, dann generiert der Straßenentwurf die Trassen der Straßen hochautomatisiert. So entsteht die Planungsgrundlage. Planer:innen treffen dann die konzeptionellen Entwurfsentscheidungen, etwa zu den Regularien (RAL 2012 oder RASt 2006) oder zur Dimension des Kreisverkehrs (etwa mini, klein oder zweistreifig), die Software „rechnet“ den Gesamtentwurf in 3D dann „in wenigen Sekunden, richtlinienkonform inklusive Kreisfahrbahn und aller Anschlüsse – auf Wunsch mit Oberbau und Freiem Rand“, berichtet Ines Plettner, Projektleiterin bei IB&T. Das ist nicht nur für runde, sondern auch für ovale Bauformen möglich. Manuelle Änderungen und Verfeinerungen (siehe Bild) sind jederzeit möglich, wobei die Software auch wieder alle von manuellen Änderungen betroffenen Folgen automatisch berechnet.
Mit dem Konstruktionsbaukasten ConKit ist es auch möglich, die inneren Inseln der Kreisverkehre zu planen. Auch dies dürfte für viele Kommunen interessant sein, schließlich sind die Inseln heute vielerorts zum Schauplatz für viele kommunale und regionale Symbole, Kunstwerke und Marketing-Botschaften geworden.

