Das Unternehmen GDD-IT implementiert für Netz- und Infrastrukturbetreiber lokale, DSGVO-konforme KI-Plattformen. So entstehen völlig neue Möglichkeiten für Prozess- und Wissensmanagement, auch jenseits der Leitungsauskunft.
Wann hat die Baufirma Müller & Söhne das letzte Mal in der Beethovenstrasse Tiefbauarbeiten durchgeführt? Wie weit ist eigentlich der Auskunftsprozess für die Baustelle am Opernplatz? Wann wurde der Schacht Ecke Grünstrasse das letzte Mal überprüft? Solche Art von Fragen rund um Baustellen, Leitungsauskunft und anderen Prozessen rund um Netze können Mitarbeiter:innen schon heute über Spracheingabe und Befehle diktieren und bekommen unmittelbare Antworten – ähnlich wie man das von KI-gestützten Suchmaschienen heute bereits kennt: Per Chat, einfach die KI fragen und schnelle Antworten bekommen.

Neue Paradigmen für die Prozessentwicklung für Energieversorger auf Basis lokaler, agentischer KI: GDD-IT sieht dafür eine ganze Reihe möglicher Anwendungsszenarien, angefangen bei der Leitungsauskunft über Wartung und andere netzspezifische Aufgaben. Grafiken: Marina; Mariia / stock.adobe.com
Damit solche Szenarien in die Realität umgesetzt werden können, bedarf es lokaler KI-Implementationen, die auf eigens kontrollierter Recheninfrastruktur laufen und speziell für die eigene Firmenwelt angepasst, trainiert und implementiert werden. Genau diese Art von Dienstleistung steht jetzt neu im Angebot des Unternehmens GDD IT aus dem sächsischen Grimma. Geschäftsführer Michael Gessel sagt: „Wir befassen uns intern bereits seit drei Jahren mit der Implementierung lokaler KI und sind überwältigt von den Möglichkeiten. Nun bieten wird dies auf Basis unserer Erfahrungen im Bereich der Leitungsauskunft auch für Infrastrukturbetreiber als Dienstleistung“, so der IT-Spezialist. Die KI, vernetzt und trainiert in der eigenen Systemlandschaft, ist dann ein rein lokales System, ohne Verbindung mit dem Internet. Sie kennt alle freigegebenen Informationen aus Betrieben und antwortet demnach auch ohne ein systematisch aufgebautes, strukturiertes Datenarchiv. Zusätzlich sorgen die nötigen KI-Agenten für die Abarbeitung von Projekten, die kommunikative Vernetzung oder die Information der entsprechenden Verantwortlichen. Im Fachjargon setzt sich dafür der Begriff agentische KI durch.
Pionierarbeit im eigenen Haus
Die Firmenhistorie des Unternehmens GDD-IT ist nicht nur eng mit der IT verknüpft, sondern auch mit der Energiewirtschaft. Seit Jahrzehnten bietet Michael Gessel mit seiner Unternehmensgruppe, dazu gehört neben der GDD-IT GmbH auch die GIS Dienst GmbH, ein umfassendes Leistungsportfolio für die Leitungsauskunft, sowohl für die Auskunftssuchenden als auch die Versorger selbst. Unter der Webseite „Metasystemportal-Leitungsauskunft. de“ steht ein Portal zur Verfügung, über das Baufirmen und Planer Anfragen stellen können. Dahinter liegen automatisierte Prozesse für die Recherche, die Einholung der Auskunft sowie die Aufarbeitung der einzelnen Unterlagen zu einer gesamtheitlichen Auskunft (Schachtschein).
Darüber hinaus gibt es eine umfangreiche Dienstleistung für die Auskunfteinholung aller Sparten, die durch qualifizierte Mitarbeiter:innen durchgeführt wird. Zuständig dafür ist die GIS-Dienst. Die GDD-IT liefert dafür die entsprechenden IT-Services und die Entwicklung von Portalen für die Energieversorger. Kunden der GDD-IT haben damit bisher das gesamte Auskunftsverfahren inklusive Weboberfläche, des Prozess- und Dokumentenmanagements und den GIS-orientierten Teil des spartenübergreifenden Auskunftsverfahrens implementiert.
„Unsere Erfahrungen mit un- serer eigenen lokalen KI haben die Arbeitsweisen intern nicht nur auf den Kopf gestellt, wir sind auch wesentlich schneller, umfangreicher und noch kundenfreundlicher geworden“, berichtet Gessel. Zeitraubende Recherchen, Suche nach Dokumenten oder Tiefenrecherchen in den eigentlichen Dateien entfallen. „Das macht alles die KI, eigentlich genau so, wie man es von ChatGPT und der Recherche im Internet kennt“, so Gessel.
Das IT- und KI-Know- how liegt also bei der GDD-IT. Im Einsatz sind überwiegend Open Source Lösungen. Beispielsweise Ollama, eine Open-Source-Software zur lokalen Ausführung von Large Language Models (LLMs) auf Desktop-Computern, also ohne eine Cloud in Anspruch nehmen zu müssen. Die Plattform ermöglicht die lokale Nutzung frei verfügbarer KI-Modelle und unterstützt vor allem die Integration weiterer lokaler Werkzeuge. Ollama kann mehr als 240 verschiedene vortrainierte KI-Modelle einbinden, speichert aber direkt auf dem Rechner, so dass die Anwendung strikt getrennt von Fremdsystemen bleiben kann.
Weiterhin nutzt GDD-IT Open WebUI, ebenso eine Open-Source-Plattform für KI, die vollständig offline betrieben werden kann. Sie unterstützt verschiedene LLM-Systeme und bietet APIs für die Integration aller möglichen Fremdsysteme – auch hier liegt der Schwerpunkt auf dem DSGVO-konformen Offline-Betrieb. „Insgesamt sind das Komponenten, mit denen auch unsere Kunden ein Maximum an Digitaler Souveränität erzielen können, da sie unabhängig von externen Cloud-Diensten von Hyperscalern oder US-amerikanischen Softwareanbietern sind“, sagt Gessel.
Fokus auf Prozesse rund um Infrastruktur
Kunden aus der Energiewirtschaft implementieren damit eine lokale KI-Infrastruktur, mit der alle Aufgaben der traditionellen Auskunft bewältigt werden, ohne dass dafür ein Systemdesign bekannter Art durchgeführt werden müsse. „Aus Nutzersicht ist das alles hochgradig intuitiv und die entsprechenden Agenten sorgen dafür, dass die geforderten Prozesse alle zuverlässig automatisiert durchgeführt werden können“, so Gessel.
Für die Leitungsauskunft konkret heißt dies: Support bei Antragserstellung, Verteilung der Informationen an zuständige Stellen, Sammeln der geforderten Informationen, Beachtung von Prüf- und Freigaberoutinen oder automatisierte Dokumentation aller Prozesse, GDD-IT achtet bei der Implementierung gezielt darauf, dass als Kontroll- und Freigabeinstanz noch immer ein Mensch agiert.
„Es wird derzeit viel experimentiert mit solchen Anwendungen agentischer KI, aber es bedarf einer gewissen Erfahrung mit der Implementation solcher KI-Plattformen, um ein System zum Laufen zu bringen“, sagt Gessel, daher sei die Dienstleistung von GDD-IT so wichtig. Habe man erstmal ein funktionierendes System, seien weitgreifende Möglichkeiten gegeben, etwa die Ausweitung des Systems auf neue Domänen. Voraussetzung ist ein abgestimmtes Konzept, bei dem GDD-IT IT-fachtechnisch unterstützt.
Die Leitungsauskunft ist also nur eines von vielen Anwendungsbeispielen. „Grundsätzlich lassen sich alle Themenfelder bedienen, beispielsweise auch die Instandhaltung“, so Gessel. Die KI schafft so eine technische Expertise, Mitarbeiter:innen können Fragen mit beliebiger Detailtiefe stellen, etwa zur Technischen Dokumentation einzelner Bauteile oder auch den dazugehörigen Informationen zu Kosten, vergangenen Wartungsaufträgen oder dem Standort. Weitere Beispiele sind Kundenmanagement, die Erstellung von Berichten für die Geschäftsleitung oder Beschwerdemanagement. „Die Möglichkeiten sind unendlich vielfältig. Sie erfordern jedoch die Offenheit des Kunden zunächst neue Wege zu denken, um danach das Potenzial der KI richtig einzuschätzen“, so Gessel.
