Das Unternehmen WIGeoGIS bietet räumlich fundierte Analyseverfahren für die Stadt- und Regionalplanung an. Im Gegensatz zu rein technischen Lösungen werden dabei verschiedenste Themenfelder integriert.
Die kommunale Selbstverwaltung in Deutschland ist herausfordernd. Diese Aussage erzeugt heute kaum noch Aufmerksamkeit. Ob Bildung, Wirtschaftspolitik, Integration oder Klimaanpassung – je länger die Liste wird, desto mehr stumpft die Wahrnehmung gegenüber den typisch kommunalen Themen ab. Die leeren Kassen erhöhen die Frustration. Doch es gibt eine Perspektive. Durch datenorientierte Ansätze haben sich Möglichkeiten ergeben, objektive Zusammenhänge in den Bereichen Verkehr, Infrastruktur und Soziodemografie zu erkennen und in Planungen zu berücksichtigen. Die Hoffnung besteht, dass Städte und Regionen zukunftsorientierte und klimafreundliche Entwicklungen umsetzen können.

Verkaufsflächen des Einzelhandels nach Zentrenrelevanz:
• Innenstadtbedarf (blau),
• Nahversorgung (grün),
• sonstiger Bedarf (rot),
• Gewerbeflächen (orange),
• Industrieflächen (rot)
Foto: Geoplex
Besonders dynamisch werden sich in den nächsten Jahren die Bevölkerungsstrukturdaten ändern, Stichwort demografischer Wandel. Doch dieser ist regional sehr unterschiedlich: In manchen Regionen, etwa in großen Teilen Ostdeutschlands oder in Rheinland-Pfalz und im Saarland stellen junge Haushalte nur bis zu fünf Prozent, in anderen wie vor allem den Universitätsstädten, aber auch großen Teilen Baden-Württembergs und der Oberpfalz sind es mehr als 20 Prozent. Ohne diese kleinräumige Evidenz zu berücksichtigen, wären Planer geradezu blind. Bisher bleiben solche Ansätze jedoch noch vereinzelt und fokussieren sich auf einzelne Themen.
Einer der Spezialisten für datengetriebene Analysen ist das Münchner Unternehmen WIGeoGIS. Das Unternehmen hat vorwiegend Kunden aus den Bereichen Handel, Banken und Versicherungen sowie Hersteller mit großen Händlernetzen. Mit dem datengetriebenen Geoinformationssystem (GIS) können diese sowohl wirtschaftliche als auch soziale und verkehrstechnische Fragestellungen bearbeiten – ein Ansatz, der in der Wirtschaft als Geomarketing bezeichnet wird. Dabei wird beispielsweise analysiert, wo welche Zielgruppen wohnen, einkaufen und welche Wege sie in Beruf und Freizeit zurücklegen.
„Stadt- und Regionalentwicklung haben ganz ähnliche Fragestellungen und Aufgaben“, sagt Marc Urner, Senior Manager bei WIGeoGIS. Beispielhafte Fragen, die sich so beantworten lassen, sind: Wie weit sind die Wege zwischen Schule und Wohnort tatsächlich? Wo fehlen sichere Routen, Grünräume und Treffpunkte? Wie resilient sind Quartiere gegenüber Hitze, Starkregen oder Verkehrsbelastungen? Wo sind Arbeitsplätze ohne Auto kaum erreichbar? Wo kollidieren zukünftige Entwicklungen mit klimatischen Risiken? Urner bezeichnet dies als räumliche Evidenz. „Ohne sie bleiben grundlegende Zusammenhänge unsichtbar“, so der Diplom-Geograph. Zwar haben rund 80 Prozent kommunaler Daten einen Ortsbezug, doch „diese werden häufig nicht genutzt“. „Tabellen zeigen Zahlen, aber keine Muster. Genau diese Muster entscheiden jedoch darüber, ob eine Stadt funktioniert. Ein GIS ist daher nicht optional, sondern gehört als strategischer Modernisierungshebel zur Pflichtausstattung für Kommunen“.
WIGeoGIS bietet dafür hochwertige Marktdaten. Bei WIGeoGIS werden die kleinräumigen soziodemografischen Daten in 100 x 100 m großen Rasterzellen dargestellt. Das Unternehmen liefert mehr als 600 Variablen zu Bevölkerung, Gebäuden und Konsumverhalten. Dazu gehören Marktdaten zu Bevölkerung, Sozioökonomie, Handel, mehrdimensionale POIs, Verkehrsströmen und realen Mobilitätsmustern. Seit Jahrzehnten vertrauen Handel, Banken und Versicherungen auf wirtschafts- und sozialstatistische Daten für ihre Analysen. Hinzu kommen die Integrationskompetenzen des Unternehmens, die vorwiegend auf ETL-Prozessen beruhen und sogar weltweit in großen Projekten erprobt sind.
Im vergangenen Jahr hat das Unternehmen beispielsweise die Daten einer Hypothekenbank global vereinheitlicht und so eine homogene Datenplattform geschaffen. Dies kann insbesondere für Kommunen von großem Nutzen sein, denn zwar liegen in der Regel hochwertige Daten vor, diese sind jedoch häufig verteilt, heterogen und schwer zugänglich, da sie sich in der Hoheit spezieller Abteilungen und Fachämter befinden. Diese zu recherchieren, zusammenzutragen und zu vereinheitlichen ist mit großen Hürden und hohen Kosten verbunden. „In vielen Fällen ist es günstiger, auf unsere Standard-Datensätze zu setzen“, weiß Urner. Für sogenannte Urban Data Platforms (UDP) ist der WIGeoGIS-Ansatz interessant. Dabei werden kommunale Daten konsolidiert und zentral verknüpft, um die Realisierung von Smart Cities zu beschleunigen. Und darauf aufbauend entfachen dann KI-Einsätze ihr maximales Potenzial. „Insbesondere bei lokalen KI-Anwendungen haben wir auch bei WIGeoGIS eine sehr dynamische Entwicklung, die Potenziale zeigt, kommunale GIS-Anwendungen auf ein völlig neues Niveau zu heben“, sagt Urner.
Viele Möglichkeiten mit Open Source
Mit WIGeoWeb steht ein zentrales WebGIS zur Verfügung, das eine intuitive Bedienung und ein umfangreiches Rollen- & Rechtemodell besitzt sowie automatisierbare Berichte und Standardanalysen ermöglicht. Ebenso ermöglicht WIGeoWeb die Umsetzung einer Open-Source-Strategie in Kombination mit QGIS. Für QGIS bietet WIGeoGIS eine Reihe von Erweiterungen. „Wer im Sinne der digitalen Souveränität auf Open Source setzen will, kommt damit zum Ziel”, so Urner. Enthalten sind Funktionen wie hausnummerngenaue Geokodierung, Routing, Standortanalyse, White-Spot-Ermittlung oder automatisierte Berichtslogik, beispielsweise zur Simulation der Auswirkungen weiterer großflächiger Einzelhandelsstandorte gemäß Huff-Modell, entscheidend für erfolgreiche kommunale Einzelhandelskonzepte.
Die Herangehensweise von WIGeoGIS bietet gerade für wirtschaftsbezogene Fragestellungen in Kommunen viele Optionen, etwa für den Einzelhandel oder die Gewerbeentwicklung. So können beispielsweise der Flächenverbrauch und die Innenentwicklungspotenziale sichtbar gemacht, die Alltagswege der Einwohner:innen aufgezeigt oder die ÖPNV-Erreichbarkeit analysiert werden. Eine Kommune kann beispielsweise erkennen, wie sich Verkehrs- und Umweltbelastungen verteilen, wo Wohnraum zu welchen Kosten verfügbar ist und welche weichen Standortfaktoren eine wirtschaftliche Entwicklung ermöglichen oder blockieren.
„Das GIS ist wie ein Cockpit für eine Kommune, das systematischen Überblick gewährleisten und daraus Bewertungen für Stadt- und Regionalplanung ableiten kann“, sagt Urner. Es liefert Kennzahlen zur Arbeitsplatzdichte, zur Erreichbarkeit von Gewerbegebieten, zu Pendlerströmen und zu Standortfaktoren für Unternehmen. So werden Raumstrukturen sichtbar, die über Erfolg oder Scheitern von Einzelhandels- oder Gewerbeansiedlungen entscheiden können. So lassen sich politische Entscheidungen, etwa über den Standort wichtiger öffentlich relevanter Infrastrukturen wie Großmärkte, Müllbeseitigung oder Netze des öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV), auch in der Öffentlichkeit einfach und intuitiv darlegen.
Ungenutztes Potenzial
„GIS liefert visuelle Evidenz statt Bauchgefühl“, fasst Urner zusammen. Eine datenbasierte, räumliche Arbeitsweise macht Stärken und Schwächen sichtbar, verhindert kurzsichtige, haushaltsgetriebene Fehlentscheidungen, schafft Transparenz & Vertrauen, ermöglicht nachhaltige, kindgerechte und resiliente Stadtentwicklung, beschleunigt Planungsprozesse, verbessert Standortentscheidungen für Arbeitsplätze und Gewerbe oder zeigt, wo Investitionen den größten gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen bringen.
