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Home » Digitale Souveränität » lat/lon: Wie vor 25 Jahren, nur anders

Home » Digitale Souveränität » lat/lon: Wie vor 25 Jahren, nur anders

lat/lon: Wie vor 25 Jahren, nur anders

  • 26. Mai. 2026

lat/lon sieht die Grundgedanken der Bewegung für Open Source und freie Software so aktuell wie nie. Nur eine Facette der Freiheit als wichtiger denn je.

deegreeday 2009. Quelle: lat/lon

Wenn es einen Pionier bei freier GIS-Software gibt, dann die lat/lon GmbH aus Bonn. Im Jahr 2003 war sie das erste Unternehmen, das Mitglied beim FOSSGIS wurde, der die wichtigste Repräsentanz für Freie Open Source Software für GIS in Deutschland ist. Bis dato waren bei dem eingetragenen Verein, nur Einzelpersonen zugelassen und erst kurz zuvor wurden institutionelle Mitglieder überhaupt erlaubt. Die Bewegung für freie Software, die in den 1980er Jahren in den USA entstanden war, wurde mit dem FOSSGIS im deutschen GIS-Markt erst richtig sichtbar. „Damals war das Thema ja noch sehr exotisch und außer ein paar überzeugten Experten gab es nicht viel an Struktur“, sagt Jens Fitzke, der heute noch neben Torsten Friebe Gründer und Gesellschafter von lat/lon ist. 25 Jahre später berichtete Fitzke dann auf der jährlich stattfindenden FOSSGIS-Konferenz mit über 1.000 Teilnehmern von den Erfahrungen aus dieser Frühzeit, die sich kaum mehr mit der heutigen Zeit vergleichen lässt. „Dieses Jahr war das Leitthema auf der FOSSGIS-Konferenz mehr denn je die Digitale Souveränität“, sagt Fitzke, „aber im Grunde genommen sind die Inhalte die gleichen, über die wir schon ein Vierteljahrhundert sprechen.“ Was also hat sich in dieser Zeit wirklich verändert?

Akademische Wurzeln
Open Source ist für lat/lon weit mehr als lizenzkostenfreie Software. „Es geht um eine andere Art Software zu produzieren, zu erwerben und zu betreiben: Deutlich einfacher, agiler, unabhängiger, transparenter, flexibler und natürlich kostengünstiger“, so Friebe. Daher ist das Engagement von lat/lon bei Themen wie Open Data, Open Standards, Open Source auch ungebrochen. Das gilt ebenfalls für die langjährige Mitgliedschaft im OGC und insbesondere für die Mitarbeit an offenen Standards und die Pflege der Compliance Test Suite (CITE TeamEngine).
Jens Fitzke und Torsten Friebe haben ihre Wurzeln sowohl im akademischen Bereich (Geographie) als auch in der Programmierung, vor allem im Bereich WebGIS, der in den späten 1990er Jahren entstand und damals bei den etablierten Anbietern von Desktop-GIS-Lösungen noch unterrepräsentiert war. „Das Feld war also offen und wir waren in der gesamten Community davon überzeugt, etwas Gutes, Wichtiges und Innovatives zu tun“, fasst Friebe die damalige Zeit zusammen. Vor allem galt es, die neuen Möglichkeiten des Internets zu nutzen und mit den Vorteilen freier Software zu verbinden.
Freie Software, das heißt, dem Kunden die volle Kontrolle zu belassen. „Seit es unsere Firma gibt, haben wir für unsere Kunden Lösungen auf Open Source-Basis gebaut und sie dazu befähigt, ihre IT-Infrastruktur – zumindest was unseren Teil angeht – vollständig zu kontrollieren. Dazu gehört auch die freie Wahl des Dienstleisters. Zum Glück haben aber davon die wenigsten Gebrauch gemacht und jemand anderen dazu geholt“, beschreibt Fitzke.

Impressionen vom deegree day 2010, eine Community-Veranstaltung rund um das Java-Framework deegree, die lat/lon gemeinsam mit der Universität Bonn begründet hat. Quelle: lat/lon

Freiheit auch mit Verantwortlichkeit
Die Freiheit wurde in der Open Source-Welt ursprünglich 1985 definiert. Richard Stallman, der damals die Free Software Foundation gegründet hatte, beschrieb sie mit vier Ebenen, was damals als eine Art Gründungsmanifest galt: Erstens gab es die Freiheit der Nutzenden, ein Programm auszuführen, wie man möchte, und zwar für jeden Zweck. Der zweite Freiheitsgrad liegt darin, die Funktionsweise des Programms jederzeit untersuchen und anpassen zu können. Der dritte darin, es offen weiterzuverbreiten und der vierte, ein Programm jederzeit verbessern zu können und dies allen zur Verfügung zu stellen. Dies ist aber noch nicht das gesamte Bild. Fitzke und Friebe sind überzeugt, dass Open Source die digitale Souveränität fördert, weil Nutzende ihre IT verstehen und den Entstehungsprozess mitbestimmen sollten. Der Aufbau von Know-how auch für den Betrieb der Software bei Nutzenden und Auftraggebenden als fünfte Dimension, die für Souveränität entscheidend ist. „Das bewusste Wahrnehmen von Verantwortung ist der erste Schritt auf dem Weg dahin und beinhaltet auch, den Kunden zu selbständigen Entscheidungen zu befähigen“, beschreibt Torsten Friebe.

openCode als Beispiel professioneller Rahmenbedingungen
Die Balance zwischen Idealismus und Wirtschaftlichkeit zu halten ist für lat/lon, besonders für Unternehmen im OS-Umfeld, schon immer eine besondere Herausforderung. Die Rahmenbedingungen dafür haben sich inzwischen stark professionalisiert. Ein gutes Beispiel dafür ist openCode, also die vor vier Jahren in Betrieb gegangene Open-Source-Plattform des ZenDiS für die Öffentlichen Verwaltungen. Generell dient openCode der Erstellung, Qualitätssicherung, Austausch und Nachnutzung von Software, also ähnlich wie die bekannten OS-Plattformen Github, Bitbucket oder Gitea. „openCode macht die Lieferkette von Software vom Quellcode bis zum gehärteten Container-Image erstmals nachvollziehbar und prüfbar“, so Friebe. Verantwortlich für openCode ist das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS), eine GmbH in Bundesbesitz, die innerhalb eines Netzwerks aus Kooperationspartnern wie der Auslands IT des Auswärtigen Amts und dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) eingebettet ist und für die Weiterentwicklung sorgt.
lat/lon hat sein Angebot rund um die xPlanBox (im Bereich Bauleitplanung und öffentliche Beteiligungsverfahren) dort sogleich im Jahr 2022 als Open Source zugänglich gemacht, das erste Beispiel für eine EfA (Einer für Alle)-Anwendung auf dieser Plattform. „openCode hat uns auch als Softwareentwickler viele Vorteile gebracht“, so Friebe, nicht nur bei der Frage, zu welchen der vielen möglichen freien Lizenzen die xPlanBox nutzbar sein sollte, vor allem „bietet sie für alle Beteiligten eine transparente Plattform für die Bereitstellungen von Software“, so Friebe. Dadurch gibt es über openCode auch sehr engen Kontakt aller betroffenen Akteure, inklusive Feedback der Nutzenden, „was auch für uns sehr wichtig ist“, so Friebe. Insgesamt reife die Community mit solchen Konzepten schneller, sei innovativer und könne auch mit den hohen Anforderungen an das Thema Cyber Resilience und IT-Sicherheit effektiver Schritt halten.

Sicherheit im besonderen Fokus
Neu bei openCode ist beispielsweise das Badge-Programm, das im Jahr 2025 an den Start ging. Es dient nun dazu, vertrauenswürdige OSS glaubhaft zu attestieren. Dies schafft verbindliche Qualitäts- und Sicherheitsstandards und macht automatisierte Qualitäts- und Sicherheitsprüfungen skalierbar. Transparente Qualitätssiegel (Bronze, Silber, Gold) zeigen auf einen Blick, welche Software welche Sicherheitsstandards erfüllt. Das Badge-Programm stellt dabei einen Paradigmenwechsel dar: Statt aufwendiger Einzelfallprüfungen entstehen skalierbare, transparente Bewertungsverfahren. Für die Anwender und Nachnutzer bedeutet dies auch geringe Aufwände für Prüfungen der Software sowie beteiligte Compliance-Anforderungen. Teil davon sind auch die DevGuards, die automatisiert das Sicherheitslevel der Software prüfen. „Das macht es sowohl für Nutzende als auch für uns als Entwickler möglich, sofort zu sehen, welchen Sicherheitsstatus die Software hat“, so Friebe. Die systematische Prüfung von Sicherheitslücken liefert also objektive Kriterien und „macht so den gesamten Markt Unabhängig von subjektiven Meinungen und Einschätzungen, wie es bisher üblich war“, beschreibt Friebe.

Neue Zeiten, alte Motive
Der Idealismus der Open Source Welt und die Forderung nach Digitaler Souveränität decken sich inzwischen. Beide stehen für Innovation, Kompetenz und Entscheidungsfreiheit. „Die Motivation und das Bewusstsein Gutes zu tun werden damit immer wieder erneuert, nur diesmal kommen sie auch von außen“, beschreibt Friebe. In Zukunft möchte lat/lon auch Mitstreiter für europäische Lösungen mit Bezug auf KI gewinnen, um so Lösungen zu schaffen, die als Alternative zu US- oder China-Varianten genutzt werden können. Auch hier ist wieder Pioniergeist gefragt.
www.lat-lon.de

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